WISSENSWERTES ÜBER ÄTHIOPIEN

 

Äthiopien ist das zehntgrößte Land in Afrika, es ist rund dreimal so groß wie Deutschland. Das Land hat eine gemeinsame Grenze mit Dschibuti (349 km), Eritrea (912 km), Kenia (861 km), Somalia (1.600 km) und dem Sudan (1.606 km).

 

Zwischen 1952 und 1993 hatte Äthiopien einen Zugang zum Meer, der jedoch mit der Unabhängigkeit Eritreas verloren ging.

 

Die Landesnatur Äthiopiens nimmt im Rahmen Afrikas eine Sonderrolle ein. Äthiopien ist neben Lesotho das am höchsten gelegene Land des Kontinents: 50 % seiner Fläche liegen höher als 1.200 Meter, mehr als 25 % über 1.800 Meter, über 5 % erreichen noch Höhen über 3.500 Meter. Dennoch hat der größte Teil des Hochlands Mittelgebirgscharakter. Hier herrscht gemäßigtes Klima vor. Die Hochlandsränder und die Einschnitte der Flüsse (Nil, Omo, Takaze) sind sehr steil ausgebildet.

 

Der Großteil von Äthiopien wird vom Hochland von Abessinien eingenommen; in diesem weitläufigen Hochgebirge liegt auch die Hauptstadt des Landes: Addis Abeba (2.370 m ü. NN). Höchster Berg des Hochlandes ist der Ras Daschan Terara (4.545 m); weitere dortige Viertausender sind der Talo (4.413 m), der Guma Terara (4.231 m) und der Guge (4.203 m). Durch die Mitte des Staats zieht sich in Nordost-Südwest-Richtung der Große Afrikanische Grabenbruch (der auch Abessinischer Graben genannt wird). Auf dessen südöstlicher Seite schließt das Somali-Hochland mit dem Deemtu (4.377 m) an. Die tiefste Landesstelle befindet sich mit 116 m unter dem Meeresspiegel in der Koba-Senke westlich der Grenze zu Eritrea.

 

Klima

 

Die klimatischen Unterschiede innerhalb von Äthiopien sind in erster Linie durch die Höhe bedingt (heiß in den Tiefebenen, relativ kühl im Hochland)

 

Man kann drei Klimazonen unterscheiden: die tropisch-heißen Gebiete bis 1.800 m, die warmgemäßigte Zone von 1.800 bis 2.500 m sowie die kühle Zone über 2.500 m. In der Hauptstadt Addis Abeba, die auf ca. 2.400 m Höhe liegt, liegt die durchschnittliche Tagestemperatur mittags zwischen 8 und 24 °C.

 

In der tropisch-heißen Zone (Qolla) ist es durchschnittlich 27 Grad warm bei einer jährlichen Regenmenge unter 500 mm Niederschlag. Die warmgemäßigte Zone (Woyna Dega) ist 22 Grad warm bei 500 bis 1.500 mm Niederschlag pro Jahr. Im Berggebiet (Dega, über 2.500 m) werden nur 16 Grad gemessen und die Regenmenge steigt bis 1.800 mm pro Jahr. Die Hauptregenzeit ist zwischen Mitte Juni und September, eine kleine Regenzeit gibt es zwischen Februar und März.

 

Flüsse und Seen

 

Die wichtigsten Flüsse in Äthiopien sind der Akobo, der Awash, der Blaue Nil, der Juba, der Genale, der Omo, der Tekeze und der Wabi Shebelle. Der größte See ist der Tanasee. Im großen afrikanischen Grabenbruch gibt es viele meist vulkanische Seen. Der Shala ist der größte Kratersee und der tiefste des Landes. Der Langano ist wegen seines hohen Sodagehaltes einer der wenigen Seen, in dem gebadet werden kann, da er frei von Bilharzioseerregern ist. Mit Ägypten gibt es Meinungsverschiedenheiten bezüglich der Nutzung des Nilwassers. Obgleich Wasser aus Äthiopien den Nil zu über 80% speist, darf Äthiopien aufgrund von alten Verträgen nur einen sehr geringen Teil selbst nutzen.

 

Nationalparks

 

In Äthiopien gibt es 9 Nationalparks. Das Schutzgebietsystem wird durch etwa 100 weitere nationale Schutzgebiete mit unterschiedlichem Schutzstatus ergänzt. Der Simien-Nationalpark gehört zum Weltnaturerbe der UNESCO.

 

Flora und Fauna

 

Aufgrund seiner abwechslungsreichen Topographie, den diversen geologischen Schichten und den verschiedenenklimatischen Verhältnissen ist Äthiopien die Heimat für eine vielfältige Pflanzen- und Tierwelt. Die äthiopische Flora umfasst ungefähr 7.000 höhere Pflanzenarten, von denen ungefähr zwölf Prozent endemisch (lokale Besonderheiten) sind. Äthiopien ist das Ursprungsland des Kaffees und verschiedener Getreidearten, wie z. B. Teff. Über 20 verschiedene Kulturpflanzen stammen aus diesem Land.

 

Unter den zahlreichen Tierarten sind 30 Säugetierarten (unter anderem der äthiopische Wolf, die Sömmerringgazelle, der Dschelada und das Mountain Nyala), 16 Vogelarten, 3 Reptilarten und 17 amphibische Arten endemisch.

 

Städte

 

Die größten Städte sind (lt. Wikipedia vom 14. 07. 2008, ohne Vororte): Addis Abeba 2.973.004 Einwohner, Dire Dawa 281.750 Einwohner, Nazret 228.623 Einwohner, Gondar 194.773 Einwohner und Mek'ele 169.207 Einwohner.

 

Bevölkerung

 

Äthiopien ist ein Vielvölkerstaat. Die Bevölkerung setzt sich aus ungefähr 80 ethnischen Gruppen zusammen, die zwischen mehreren Millionen und nur wenigen Hundert Menschen umfassen können. Obwohl geographisch dem südlich der Sahara gelegenen Afrika zugerechnet, ist das Land in seiner historischen und kulturellen Entwicklung stark von Einflüssen aus dem Nahen Osten geprägt. Etwa 80 % der Bevölkerung leben auf dem Land.

 

Ethnien

 

Im 20. Jahrhundert galten die Amharen als Staatsvolk. Obwohl sie nur zwischen 20 und 30 % der Bevölkerung stellen, hat sich Amharisch als Landessprache durchgesetzt und wird zumindest von der Stadtbevölkerung des gesamten Landes im täglichen Umgang benutzt. Zusammen mit den Tigray, die ca. 10 % der äthiopischen Bevölkerung ausmachen, siedelten sie traditionell als Bauern in den nördlichen Hochländern, dem Kernland des historischen äthiopischen Kaiserreichs. Amharen und Tigray können unter dem äthio-semitischen Begriff Habesha ('Abessinier') zusammengefasst werden. Zum überwiegenden Teil sind sie Anhänger der Äthiopisch-Orthodoxen Tewahedo-Kirche. Die Hälfte der Bevölkerung sind Muslime, jedoch wird der Alltag von der äthiopisch orthodoxen Kirche geprägt. Eine kleine Minderheit sind Protestanten und Katholiken, die Minderheit jüdischen Glaubens (Falasha) ist mittlerweile fast komplett nach Israel ausgewandert.

 

Die zahlenmäßig größte Bevölkerungsgruppe bilden allerdings die Oromo, was auf Oromiffa ‚die Starken‘ bedeutet. Oromiffa ist eine Kuschitische Sprache. Früher waren die Oromo und andere kuschitische und omotische Völker vor allem unter der Bezeichnung Galla bekannt, was auf amharisch ‚Heimatsuchende‘ bedeutet. Galla gilt heute als abwertend und sollte vermieden werden. Sie stellen über 40 % der Bevölkerung Äthiopiens und hängen oft dem Islam, aber auch der Äthiopisch-Orthodoxen Tewahedo-Kirche an. Ihr Siedlungsgebiet erstreckt sich über den Süden, Osten und Westen des Landes. Die muslimische Bevölkerung der Stadt Harar wird Aderi genannt und hat aus historischen Gründen eine eigene linguistisch-kulturelle Identität. Die bedeutsamsten anderen ethnischen Gruppen Äthiopiens sind die Somali (6 %), Shankella (6 %) Afar (4 %), Gurage (3 %), Sidama (9 %) und Agaw (1 %). In den Regionen im Westen und Südwesten des Landes leben noch zahlreiche nilotische und omotische Ethnien, die zum Teil einen sehr ursprünglichen Lebensstil bewahrt haben. Die bekanntesten unter ihnen sind die Mursi, Hamar, Ometo und Nuer.

 

Sprachen

 

In Äthiopien werden über 80 Sprachen gesprochen. Die Amtssprache auf der Bundesebene ist Amharisch, das zum (süd-)semitischen Zweig des Afroasiatischen gehört und als Muttersprache von etwa 17 Mio. Menschen gesprochen wird, als Zweitsprache von weiteren 4 Mio. Äthiopiern. Das kuschitische Oromo ist mit 24 - 25 Mio. Sprechern die Sprache mit den meisten Sprechern. Allerdings ist die Sprecherzahl einzelner Sprachen oft ein Politikum und Angaben dazu daher mit Vorsicht zu genießen. Englisch ist Bildungssprache und wird in den Oberschulen als Unterrichtssprache verwendet. In einzelnen Bundesstaaten, deren Grenzen entlang Sprachgrenzen gezogen wurden, werden in Grundschulen und in örtlichen Verwaltungen regionale Sprachen wie Oromo, Harari, Somali, Afar, Kafficho u. a., aber auch Amharisch verwendet.

 

Die Sprachen Äthiopiens gehören zwei großen Sprachfamilien an: dem Afroasiatischen (früher Semito-Hamitisch genannt) und dem Nilo-Saharanischen. Dabei entfallen 99 % (!) auf das Afroasiatische, das in Äthiopien mit seinen Zweigen Semitisch (vorwiegend in der nördlichen Hälfte des Landes), Omotisch (im Südwesten) und Kuschitisch (im Süden, Westen und Osten) vertreten ist. Die Nilo-Saharanischen Sprachen (im Westen Äthiopiens) machen nur 1 % aus.

 

HIV/Aids

 

Neben Malaria und Durchfall ist die Immunschwäche eines der großen gesundheitlichen Probleme des Landes. Die Daten dazu sind teilweise widersprüchlich oder nicht aktuell. Ein Bericht von USAID aus 2003 beschreibt die Situation so: Die Infektionsrate liegt bei ca. 6,6 % der erwachsenen Bevölkerung. Damit sind in Äthiopien etwa drei Millionen Menschen infiziert. Die Infektionsrate ist in urbanen Gebieten mit 13,7 % deutlich höher als in ländlichen mit 3,7 %. Am stärksten betroffen sind die 15- bis 24-jährigen. Etwa 1,2 Millionen Kinder sind in Folge der Krankheit verwaist.

 

Dagegen steht im UNAIDS-Report 2008, dass die Situation angesichts der Daten von 2005 nicht so gravierend und gleichzeitig vielschichtiger ist, als zuvor angenommen. Demzufolge sollte sich die Rate an HIV-Infizierten bei 2,1 % stabilisiert haben (2006/2007). Weitere Daten aus diesem Report:

 

Jährliche Neuinfektionen: 125.528, derzeit Infizierte: ca. 1 Mio., Sterbefälle pro Jahr: 71.902, Aidswaisen: ca. 900.000[1]




[1] http://data.unaids.org/pub/Report/2008/ethiopia_2008_country_progress_report_en.pdf 11.07.08


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